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Training neu denken  – </br>Digitales Lernen in der Personalentwicklung

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Training neu denken –
Digitales Lernen in der Personalentwicklung

Mehr als 61 Prozent der Beschäftigten arbeiten derzeit von zu Hause aus. Unternehmen und Mitarbeiter werden durch die Pandemie vor völlig neue Herausforderungen in Zusammenarbeit, Führung und Personalentwicklung gestellt – und klar ist auch, dass viele Organisationen planen, die Home-Office-Regelungen nicht wieder vollständig aufzulösen. An Homeoffice und digitale Zusammenarbeitsformate haben sich also alle inzwischen gewöhnt, aber viele anderen Themenfelder in den Unternehmen sind oft noch gar nicht für die digitale bzw. virtuelle Welt vorbereitet.

Personalentwicklung zahlt sich aus – wenn sie stattfindet!

Gerade aber der Bereich der Personalentwicklung hinkt dieser Entwicklung hinterher. Dabei zahlt sich strategischer Invest in diesem Bereich ganz besonders aus: Neben einer stärkeren Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit verbessern sich auch nachweisbar Gewinn und Marktposition:


Quelle: HR Manager, GLINT, Harvard Business Publishing

Die bisher verfügbaren Online-Lernprogramme transferieren oft nur ein Präsenztraining 1:1 ins Internet, was vielfach nicht ausreicht: Lernstoff und Lehrmedien müssen auf digitales Lernen umgestellt werden und es müssen didaktische Konzepte erarbeitet werden, damit das am Ende auch funktioniert. Wir können den Stoff, der seit Jahrzehnten nur offline im Seminarraum trainiert wurde, nicht einfach so online umziehen. Das vorhandene Potential der Digitalisierung wird so nur völlig unzureichend ausgeschöpft, was am Ende dazu führt, dass die Lernenden oft nur mit wenig Begeisterung bei der Sache sind …

Digitalisierung wird die Bildung tiefgreifend verändern!

Dabei stehen wir doch gerade mitten in einer digitalen Revolution, die auch unser aktuelles Verständnis von Bildung umkrempeln wird: Ralph Müller-Eiselt, Senior Experte bei der Bertelsmann-Stiftung, ist der Meinung, dass „Die Digitalisierung die Bildung so tiefgreifend verändern wird wie zuvor vielleicht nur der Buchdruck oder die Schulpflicht.“. Diesen Trend kann man heute schon täglich auf Youtube verfolgen: Schüler haben Themen in der Schule nicht verstanden und lassen sich diese nachmittags von Mirko Drotschmann („MrWissen2Go“) erklären. Die Kombination von fundiertem Wissen, das extrem locker, entspannt, aber sehr kompetent rübergebracht wird, hat ihm mittlerweile über 1. Mio. Abonnenten eingebracht - sogar Lehrer setzen seine Erklär-Videos mittlerweile selber ein!

Training neu denken – Digital und doch Live …

Im Bereich der Mitarbeitertrainings gibt es mittlerweile neue und innovative Anbieter, die diese neuen Möglichkeiten durch die Digitalisierung umfassend einsetzen – so z.B. unser Kooperationspartner troodi GmbH aus Köln mit seinem hybriden Lernansatz: Der Lernende soll einerseits mit den digitalen Lernprogrammen sowie den umfangreichen medialen Ergänzungen (Zusammenfassungen, Arbeitsblätter, Reflexionen, Quizlets, ergänzende Videos und Anekdoten …) eigenständig am Bildschirm arbeiten können. Andererseits steht der „echte“ Trainer aus dem digitalen Programm für sie aber auch „live“ zur Verfügung – z.B. in Form von kontinuierlicher Begleitung per Mail oder echten (virtuellen) Live-Sessions zum konkreten Wissenstransfer aus dem Training in den Alltag.


Quelle: troodi GmbH, Köln

Interview mit Philip Schwidetzki, Geschäftsführer troodi GmbH, Köln

Wir haben die Gelegenheit gehabt, zu diesem digitalen Trainingsansatz mit dem Geschäftsführer der troodi GmbH, Herrn Philip Schwidetzki zu sprechen.

M-Perspektiven (MP): Herr Schwidetzki, Sie sind gerade dabei, „Training neu zu denken“ - was genau unterscheidet den troodi-Ansatz von den klassischen LIVE oder ONLINE Anbietern?

Philip Schwidetzki (PS): Wir haben uns einfach geweigert in „entweder/oder-Lösungen“ zu denken. Unsere digitalen Lernprogramme sind nah an der Realität im Live-Training ausgerichtet und unsere Plattform ermöglicht diese digitalen Trainings mit Live-Sessions mit Trainer und moderierenden Emails zu stimmigen Gesamtkonzepten zu verbinden. Die Trainer der Lernprogramme sind keine Schauspieler, sondern alle selber im Beratungs- bzw. Trainingsgeschäft aktiv und damit buchbar. Auf diese Weise können wir unseren Kunden maßgeschneiderte hybride Trainingskonzepte aus einer Hand anbieten.

MP: Wie muss ich mir so ein hybrides Training denn konkret vorstellen? Sitze ich dann stundenlang vor monotonen Videos … und kämpfe mit dem Schlaf?

PS: Nein (lacht), natürlich nicht … eher das Gegenteil ist der Fall. Mitarbeitende können selbst entscheiden, wann, wie lange und in welcher Rhythmik sie an unseren Lernprogrammen arbeiten. Die Programme sind in kurze Kapitel unterteilt und Mitarbeitende können entweder ein ganzes Programm am Stück (2-3 Stunden Bearbeitungszeit) oder in kleinen Happen von 15 -20 Minuten durchlaufen.

Außerdem besteht das didaktische Konzept aus vielen verschiedenen Elementen: Videoinputs, Übungen/Vertiefungen und Reflexionsaufgaben, 2-3 Quiz-Einheiten pro Lernprogramm mit Wissensfragen, aber auch kleinen Situationsbeschreibungen, in denen das erlernte Wissen anwendet wird. Ein besonders beliebtes Element sind die Trainer-Anekdoten. Hier werden real erlebte Fälle beschrieben und mit den Inhalten des Programmes verknüpft. Das erinnert dann ein bisschen an das Pausengespräch mit den Trainern.

All das sieht man z.B. wunderbar am Beispiel des neuen Trainings „Taktischer Einkauf“ - Der Trainer nimmt die User in seinem Programm in kurzen, informativen und unterhaltsamen Videos mit in die Welt des Einkaufs. Arbeitsblätter, Handouts und Übungen unterstreichen und vertiefen seine Video-Inputs und seine Anekdoten aus der Praxis runden das Programm auf wunderbare Weise ab. Ein paar Ausschnitte aus dem Training finden Sie im folgenden Video ...


Quelle: troodi GmbH, Köln / MatrixPartner GmbH, München/Düsseldorf

MP: Wie ist die Akzeptanz dieses neuen Trainingsformates bei Unternehmen, Mitarbeitern und Trainern?

PS: Derzeit haben wir über 1000 aktive User auf der Plattform und die Zustimmungswerte zu unseren Lernprogrammen liegen durchgängig im Bereich von 85-95%. Besonders die nachvollziehbare Storyline der Programme, die lockere und nahbare Art der Trainer in den Videos und die einfache und intuitive Bedienbarkeit der Plattform wird dabei hervorgehoben. Das erkennt man auch daran, dass wir viele „Wiederholungstäter“ unter unseren Kunden haben...

MP: Wird das klassische LIVE-Training in der Gruppe dadurch überflüssig werden?

PS: Das glaube ich nicht. Wie bereits gesagt, wehren wir uns gegen eine entweder/oder-Denke. Ich war selbst knapp zehn Jahre als Trainer, Berater und Coach tätig, kenne die Kraft, die Präsenzveranstaltungen entwickeln können und bin mir gleichzeitig über die Grenzen der Digitalisierung in diesem Bereich bewusst. Manche menschliche Dynamik, Fallberatung oder Coachingsituation im Live-Training sind aus meiner Sicht nicht digitalisierbar. Und genau deshalb verbinden wir unsere Programme mit Live-Sessions in denen die Trainer dann ihre „Trainer-Magic“ (lacht) in unsere Konzepte einbringen.

Aber moderne Trainings können sicher noch viel tun, um beide Bereiche optimal zu nutzen. Und digitale Programme müssen auch nicht langweilige, unpersönliche Klick-Schlachten sein, die im besten Fall an digitalisierte Schulhefte erinnern. Das zeigen unsere Programme, deren Weiterentwicklung wir ständig vorantreiben.

MP: Das ist doch aber sicherlich nur was für große Unternehmen, die etliche 100 Mitarbeiter in ihren Themen schulen wollen?

PS: Nein, da sind wir völlig flexibel - da man unsere Programme stückweise kaufen kann, kann man sie einzelnen Personen oder ganzen Organisationen zur Verfügung stellen. Hybride Konzepte mit kurzen, intensiven Live-Sessions lassen sich wahlweise kleinen Grüppchen von 5-6 Personen oder auch schnell einer großen Anzahl an Teilnehmenden zur Verfügung stellen. In Bezug auf den Zeitaufwand der Lernenden sind wir eindeutig effizienter als das klassische Präsenz-Training.

MP: Wie kann denn ein Einstieg für ein Unternehmen in ein solches Instrument der zeitgemäßen Personalentwicklung aussehen?

PS: Ich würde das gerne an drei Fallbeispielen erläutern:

  • Ein mittelständisches Unternehmen hat drei Personen neu in eine Führungsrolle befördert und möchte diese effizient und kurzfristig dahingehend ausbilden. Mit unseren Programmen und einzelnen kurzen Trainingssessions haben wir sie schnell ausgebildet und noch dazu lassen sich die kleinen Bausteine (Lernprogramme und z.B. 2-stündige Live-Sessions mit den Trainern) problemlos in den Alltag integrieren. Eine mehrtägige Abwesenheit ist nicht notwendig.
  • In einer Organisation wurden sämtliche Einkäufer vom Trainer in Präsenztrainings geschult. Das Unternehmen stellt ein paar Monate später zwei neue Mitarbeiter in diesem Bereich ein. Die beiden können jetzt das Einkaufs-Lernprogramm in der ersten Woche nach Arbeitsantritt konsumieren, haben dadurch das Wissen des Trainers kurzfristig zur Verfügung gestellt und müssen nicht auf die nächste Durchführung eines Live-Trainings warten.
  • In einem Konzern sorgt ein Veränderungsprozess für diverse Dynamiken. Unsere Programme zum Umgang mit Veränderungen für Mitarbeitende und Führungskräfte unterstützen die professionelle Bearbeitung dieser Dynamiken und sind innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung gestellt.

In allen drei Fällen reicht ein einfacher Computer mit Internetzugang. Unabhängig davon, ob Kunden unsere Lernprogramme in ihrem eigenen LMS oder über unsere Plattform konsumieren, sind wir auch deshalb erfolgreich, weil wir den Datenschutz sehr ernst nehmen und DSGVO-Konform sind. Insgesamt erfassen wir nur eine geringe Anzahl und absolut notwendige Daten. Die erfassten Daten werden ausschließlich in Europa verarbeitet. Das hat uns problemlos durch diverse Konzerntüren gebracht...

MP: Wie schätzen Sie persönlich die Zukunft von digitalen Lernprogrammen für eine zeitgemäße Personalentwicklung ein? Ist das doch vielleicht nur ein aktueller Trend?

PS: Schon vor der Pandemie ging die Zahl der Remote-Arbeitsplätze stetig nach oben - auch danach planen viele Unternehmen, diese Art der Zusammenarbeit weiter fortzuführen.

Die Menschen gewöhnen sich immer mehr an das digitale Arbeiten - es wird immer alltäglicher. Digitale Programme und hybride Konzepte bedienen diese Arbeitswirklichkeit wesentlich aufwandsärmer als Präsenzveranstaltungen. Es wird sicher wieder einen kleinen Schub in Sachen Präsenz geben - sobald das wieder möglich ist. Generell ist es aber wesentlich effizienter, einen Großteil des Fortbildungsbedarf digital, asynchron oder idealerweise im hybriden Format mit virtuellen Live-Sessions abzudecken.

MP: Besten Dank für das Gespräch.

Ein Beitrag von Peter Rüffer, Interview mit P Schwidetzki (troodi)