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Sturmtief im Anmarsch?

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Sturmtief im Anmarsch?

Die Ankündigungen kamen im Juni und Juli in dichter Folge: BASF, Deutsche Bank, Daimler und Ford wollen in den kommenden Jahren jeweils mehrere tausend Stellen im Inland abbauen. Im Oktober kündigt die Continental AG massive Personalreduzierungen an und plant u.a. die Schließung eines Werks in Bayern. Auch der Mittelstand ist derzeit mit erheblichem Anpassungsdruck konfrontiert. Der bayrische Automobilzulieferer Brose will 2000 Stellen abbauen, der Göppinger Pressenhersteller Schuler kündigt den Abbau von 500 Stellen an. In deutschen Unternehmen baut sich derzeit eine Spar- und Umbauwelle auf, die vor allem aus drei übergreifenden Strömungen gespeist wird.

Konjunktur schwächelt

Deutschland erwirtschaftet massive Handelsbilanzüberschüsse und ist damit erheblich vom Export seiner Waren abhängig. Das gilt vor allem für die Automobilindustrie, den Maschinen- und Anlagenbau und die Chemie. Die Stimmung bei den Managern in produzierenden Unternehmen ist jedoch gedämpft; der Ifo-Konjunkturklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe ist im Juli auf dem niedrigsten Stand seit Jahren gesunken, jedes zwölfte Industrieunternehmen erwartet für die kommenden Monate Kurzarbeit. Die Schwächephase der Industrie geht dabei über das übliche konjunkturelle Auf und Ab hinaus: Einerseits hat sich bei wichtigen Kunden der deutschen Industrie – unter anderem in China – das Entwicklungstempo deutlich verlangsamt, und zusätzlich entfaltet die globale Protektionismuswelle eine insbesondere für exportabhängige Unternehmen schädliche Dynamik.

Digitalisierung wird greifbar

Seit mindestens fünf Jahre wird landauf landab über Chancen und Risiken der Digitalisierung diskutiert, Unternehmen setzen Projekte in Gang, um Arbeitsprozesse und ganze Geschäftsmodelle aus der analogen in die digitale Welt zu überführen. Dadurch entstehen neue Unternehmen und auch neue Arbeitsplätze in bestehenden Unternehmen. Gleichzeitig wird allerdings immer deutlicher, dass andere Arbeitsplätze entbehrlich werden.

Politische Trendwenden zeigen Wirkung

Neben Konjunktur- und Technologieeinflüssen werden einzelne Branchen durch gesellschaftspolitische Trendwenden in beschleunigte Transformationsprozesse gedrängt. So hat die umweltpolitisch motivierte Dekarbonisierung nicht nur den Kohleausstieg in Deutschland erzwungen, sondern forciert auch das Ende des Verbrennungsmotors. Dadurch werden Automobilhersteller, aber auch Zulieferer wie Bosch oder Continental, zu einem massiven Umbau der Entwicklungs- und Produktionskapazitäten gezwungen. Die Diskussion um CO2-Reduktion wird dabei zunehmend schärfer geführt. Der Druck auf Unternehmen aller Branchen und der Druck auf sämtliche Wertschöpfungsstufen innerhalb der Unternehmen wird folglich wachsen, CO2 Emissionen sichtbar und zügig zu reduzieren. Massive Auswirkungen sind dadurch beispielsweise in der gesamten Lebensmittelindustrie zu erwarten.

Management strategisch vorbereiten

Geschäftsführer und die gesamte Führungsmannschaft sollten sich jetzt aktiv damit auseinandersetzen, ob und in welchem Umfang die drei genannten Treiber (Konjunkturentwicklung, Digitalisierung, gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen) die strategische Ausrichtung des eigenen Unternehmens und die mittelfristige Kapazitäts- und Personalplanung in einzelnen Geschäftsfeldern beeinflussen. Hier ist zunächst vor allem Transparenz gefragt im Blick auf die Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens, und es ist Klarheit erforderlich im Blick auf die relevanten Trends und ihre konkreten Auswirkungen auf die eigene Branche und das eigene Unternehmen. Nur so lassen sich passgenaue Handlungsstrategien in turbulenten Zeiten entwickeln.

Wir stehen Ihnen dabei gerne als Gesprächs- und Sparringspartner zur Verfügung. Wir unterstützen Sie auf Wunsch mit Erfahrung und Impulsen, mit Analysen und mit konkreten Umsetzungsvorschlägen. Sprechen Sie uns an.

Ein Beitrag von Michael Wittelsbürger (MatrixPartner)